Clown Pa Püff erzählt… (Eine tief berührende Begegnung)

21. August 2023

…vor kurzem baten mich die Schwestern, ein 14-jähriges, kroatisches Mädchen zu besuchen. Auf der Intensivstation nehme ich den lauten, lustigen Clown meist ziemlich zurück. Der leise, feine Humor ist gefragt und das tiefe Mitfühlen.

 

Lana (Name geändert) ist nur noch Haut und Knochen, in ihrer Wirbelsäule ist in einer sehr schmerzvollen Operation eine Eisenstange eingesetzt worden, die sie aufrecht halten soll.

Hohlwangig und mit dunklen Rändern unter den Augen blickt sie mich an, als ob sie mich gleich wieder hinausschmeißen wollte. Kaum duldet sie noch einen weiteren Menschen von außen in ihrer Nähe. Nichts falsches erlauben diese Augen, keine oberflächliche Fröhlichkeit.

 

Da wir keine gemeinsame Schriftsprache haben, bleiben uns nur die Augen und unsere Herzen zur Verständigung. Ich spüre, dass der direkte Kontakt noch nicht von ihr gewollt ist.

Ihre Mutter aber, eine offene, schöne Frau ist bereit… wir zaubern. Ich verblüffe sie, sie muss lachen, wir treten in einen lebendigen Kontakt.  Lana beobachtet und kann Anteil nehmen. Nach einer Weile, ja man braucht Zeit, damit Vertrauen wachsen kann, lässt auch  Lana offener meinen Augenkontakt zu.

 

Ein tiefes Mitgefühl überkommt mich bei dem, was ich wahrnehme. Ich lasse das zu, sehe, dass das Mädchen nicht mehr leben will. Halte das aus und bejahe ihre Haltung, ihr Lebensgefühl. Auch dieses Ja braucht Zeit, manchmal öffnet sich der weitere Raum hinter dem Schmerz, dieser Raum ermöglicht Wandlung.

 

Irgendwann zeige ich intuitiv auf mein Akkordeon und sie nickt. Ich darf ihr ein Lied spielen. Bei der Musik suche ich immer wieder ihre Augen und sie hält stand. Ich beginne zu singen, leidenschaftlich, in meiner Clownsprache, die heute etwas französisch-kroatisch klingt und sie versteht. Ich singe von der Sehnsucht nach einem schönen Leben, von Liebe, von Melancholie und Freude und von tiefer Verbundenheit mit allem Lebendigen.

 

Lana versteht sehr gut und eine Verwandlung beginnt, sie wird wieder ein Mädchen, ihr Gesicht entspannt sich, sie richtet sich ein wenig auf, ein Lächeln huscht über ihr müdes Gesicht. Als das Lied zu Ende ist, singe ich noch eins und noch eins und noch eins und dann zaubere ich ihr eine kleine rote Rose und tupfe sie an mein Duftöl, dass sie auch nach Leben riecht. Lana empfängt sie als die junge Frau, die sie schon ist, denn die möchte ich ehren mit meinem Geschenk.

Ich bin tief berührt und beschenkt, und wieder einmal scheint mir nichts wesentlicher, als dass wir Menschen uns begegnen, berühren und ermutigen zu dem großen Abenteuer unseres Lebens.