Pressespiegel
"Dann hätte Herr Baatz kranke Kinder betrogen"
23.04.2008 Stuttgarter Nachrichten
Stuttgarts First-Lady zum Untreuevorwurf gegen Chef des Förderkreises
Stuttgart – Der Untreuevorwurf gegen Klaus-Peter Baatz schädigt das gesamte Spendenklima, befürchtet Stefanie Schuster, Präsidentin der Olgäle-Stiftung. Leidtragende sind Kinder, warnt die Ehefrau des Oberbürgermeisters.
Frau Dr. Schuster, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie erstmals von den Vorwürfen gegen den Gründer des Förderkreises Krebskranker Kinder erfuhren?
Stefanie Schuster: Ich hätte Herrn Baatz zuvor solche Dinge niemals zugetraut. Man hatte bei ihm stets den Eindruck, der Förderkreis sei seine Lebensaufgabe. Sollten die Vorwürfe zutreffen, hätte Herr Baatz nicht nur die vielen Spender, sondern auch die schwerstkranken Kinder betrogen, denen das Geld hätte helfen können. Etwas Schlimmeres kann ich mir in diesem Kontext kaum vorstellen.
Laut Aussage von Vorstandskollegen soll Baatz seit etwa sieben Jahren zwei Millionen Euro veruntreut haben. Gab es für Sie in der Vergangenheit Anzeichen, die einen solchen Verdacht hätten nahe legen können?
Stefanie Schuster: Nein. Der Förderverein von Herrn Baatz hat mit der Olgäle-Stiftung nichts zu tun. Ich bin Herrn Baatz nur selten begegnet, etwa beim jährlichen Treffen des Olgahospitals mit allen Fördervereinen der Klinik.
Der Fall Baatz könnte die komplette Spendenlandschaft um das Olgahospitals ins Zwielicht rücken. Sehen Sie diese Gefahr?
Stefanie Schuster: Ich gehe davon aus, dass der Fall Baatz ein singulärer Fall ist und auch bleibt. Trotzdem schadet der Fall der gesamten privaten Spenden- und Förderstruktur des Olgahospitals. Ich muss leider davon ausgehen, dass auch unsere Stiftung in nächster Zeit spürbar weniger Spenden erhält. Hier müssen wir Vertrauen zurückgewinnen.
Was können Sie selbst aktiv dafür tun?
Stefanie Schuster: Ich hoffe, dass der Fall Baatz die Spender nicht nachhaltig verunsichert und die gute Sache langfristig in Misskredit bringt.
Spenden sind also weiterhin nötig?
Stefanie Schuster: Das Olgahospital ist ein Kinderkrankenhaus, das schwerstkranke Kinder aus Stuttgart, aus der Region und aus ganz Deutschland behandelt. Die Kinder brauchen diese Klinik. Leider werden die hohe medizinische Qualität, der enorme pflegerische Aufwand und die teure Medikamente und Gerätschaften von den Krankenkassen nicht in vollem Umfang bezahlt. Darum belastet das Olgahospital ein Defizit von rund sieben Millionen Euro im Jahr. Um die Lücke zu schließen, sind wir dringend auf Spenden angewiesen. Allein die Olgäle-Stiftung steuert im Jahr 700 000 bis eine Million Euro bei.
Wie sagen Sie einem Menschen, der angesichts des Falles Baatz – oder dem Unicef-Skandal – nun auch Zweifel an der Seriosität der Olgäle-Stiftung äußert?
Stefanie Schuster: Herr Baatz scheint in seinen Verein absolut dominant gewesen zu sein. Bei unserer Stiftung ist das anders, vor allem, wenn es ums Geld geht: Alle wichtigen Fragen werden im siebenköpfigen Vorstand besprochen, und bei allen finanziellen Dingen gilt bei uns mindestens das Vier-Augen-Prinzip. Ich halte es für unmöglich, dass man illegal Geld von unseren Konten abführt.
Im Fall Baatz scheint das Geld nicht auf der Einnahmen-, sondern der Ausgabenseite veruntreut worden zu sein. Wer entscheidet bei Ihnen über die Verwendung der Spenden?
Stefanie Schuster: Wir haben einen Fachbeirat mit allen Chefärzten, der Pflegedienstleitung und einem Vertreter der Krankenhausverwaltung. Dieser Beirat legt uns eine Liste mit den Dingen vor, die das Olgahospital selbst nicht finanzieren kann. Die Stiftung diskutiert dann mit dem Fachbeirat, welche Sachmittel und welche Personalstellen die Stiftung bezahlt. Auch manche Fördervereine richten Anfragen an uns. Leider reichen unsere Spenden nicht aus, um alle Wünsche erfüllen zu können.
Es gibt keine Konkurrenz zwischen Stiftung und den zahlreichen Fördervereinen?
Stefanie Schuster: Ich erinnere mich nur an einen einzigen Fall: Herr Baatz wollte mir einmal verbieten, Spenden für krebskranke Kinder anzunehmen. Das habe ich von mir gewiesen. Hier geht es doch nicht um persönliche Eitelkeiten. Entscheidend ist allein, dass das Geld bei den kranken Kindern ankommt.
Von Herrn Baatz erhielt das Olgahospital eine Spende nur unter der Auflage, dass die Klinik nochmals dieselbe Summe dazu legt. Wie verfahren Sie?
Stefanie Schuster: Ich halte von dieser Praxis gar nichts. Ich möchte vor allem diejenigen Dinge fördern, die dringend benötigt werden oder für die es keine Mittel gibt, wie zum Beispiel die Krankenhausclowns. Das heißt, dass die Olgäle-Stiftung in diesen Fällen die komplette Summe übernimmt. Das ist effektiver und erleichtert zudem die Kontrolle über die konkrete Verwendung der Spenden.
Könnten Sie sich vorstellen, bisherigen Spendern des Förderkreises das Angebot zu machen, bis zur Klärung der Vorwürfe an die Olgäle-Stiftung zu spenden? Damit frustrierte Spender nicht verloren gehen?
Stefanie Schuster: Darüber haben wir intern noch nicht diskutiert, es könnte aber eine gute Idee sein. Wenn jemand im Augenblick Zweifel hat, nehmen wir seine zweckgebundene Spenden für krebskranke Kinder gerne entgegen. Dessen ungeachtet hoffe ich natürlich, dass der Föderverein seine wertvolle Arbeit nach allen Turbulenzen fortsetzt.
Fragen von Michael Isenberg, StN